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Der letzte Weg nach Hause – Ein Interview mit Jasmin Becker

Jeden Tag sterben auf deutschen Straßen etliche Tiere – neben Wildtieren wie Igel, Kröte, Reh und Greifvogel fallen auch Haustiere wie Katzen dem trotz Klimawandel immer stärker ausgeprägten Verkehr zum Opfer. Und dann? Liegen sie meist tot am Fahrbahnrand. Ein trost- und vor allem würdeloses Ende, vor allem, wenn sie von ihren Besitzern noch schmerzlich vermisst werden und diese gar nichts davon wissen. Jasmin Becker setzt sich seit vier Jahren dafür ein, dass eben diese Katzen den letzten Weg nach Hause finden – und die Halter endlich Gewissheit über das Schicksal ihrer Samtpfote haben.

Lesegerät (© Jasmin Becker)

Lesegerät (© Jasmin Becker)

Im Einsatz für Gewissheit

Jasmin Becker ist mit Katzen aufgewachsen, hat selbst einmal die Erfahrung machen müssen, einen ihrer Vierbeiner zu vermissen. Leider stellte sich heraus, dass auch dieser im Verkehr umgekommen ist. Doch zumindest hatte sie Gewissheit – und die ist nicht selbstverständlich, wie sie weiß: „Es werden immer noch zu viele überfahrene Katzen entsorgt, ohne sie auf eine Kennzeichnung und einen Registereintrag zu überprüfen, um die Besitzer zu informieren.“ Eine Tatsache, die sie frustriert. Denn über eine Mikrochip-Nummer und/oder eine Tätowierung sowie die Anmeldung beim Haustierregister FINDEFIX wäre es ein Leichtes, potenzielle Besitzer ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Um diesem Problem entgegenzuwirken, schaffte sie sich schließlich selbst ein Lesegerät für Mikrochips an und begann, verunfallte Katzen damit auszulesen und ggf. die Besitzer zu informieren.

 

Zusammenarbeit im Sinne der Katzen

„Das Lesegerät war ein Weihnachtsgeschenk von meinem Mann“, wie sie schmunzelnd sagt. Der unterstützt sie bei ihrer Arbeit, schreibt zum Beispiel die Nummer der Tätowierung der getöteten Katze auf, die sie vorliest. Teamwork für die gute Sache: Um dem Tier zu einem würdevollen Abschied fernab der Anonymität zu verhelfen. Dabei achtet sie bei gefundenen Tieren aber natürlich nicht nur auf einen Chip oder eine Tätowierung, sondern auch auf das Geschlecht, eine mögliche Kastration und besondere Merkmale wie Fellzeichnungen. Und sie ergänzt: „Wenn das Tier zwar mit einem Chip gekennzeichnet, aber nicht registriert ist, gibt es die Möglichkeit, über eine sogenannte Herstellerabfrage die Besitzer ausfindig zu machen. Dabei ist FINDEFIX mir eine große Hilfe.“ Ist gar keine Kennzeichnung vorhanden, kontaktiert sie Tierheime in der Umgebung, ob und welche Katzen aktuell vermisst gemeldet sind und startet auch bei Haustierregistern wie FINDEFIX regelmäßig Abfragen – denn manchmal werden Tiere ohne Kennzeichnung nachregistriert.

In Sankt Augustin kooperiert sie mittlerweile mit dem örtlichen Bauhof und deren Mitarbeitern. Denn dort landen überfahrene Katzen meistens – vor Ort in einer Kühltruhe. Kein schöner Anblick, aber sinnvoll, denn so kann das Tier ggf. auch noch Tage nach dem Auffinden identifiziert und im Extremfall Wochen oder gar Monate von seinen Besitzern abgeholt und bestattet werden. Obwohl Jasmin Becker seit Jahren mit im Verkehr getöteten und dadurch teils übel zugerichteten Katzen zu tun hat, kann sie sich an das erste Mal an der Kühltruhe noch genau erinnern: „Die Katzen in dieser Truhe waren auch mal Lebewesen, die Freude gespürt haben, die oft sogar ein Zuhause hatten, wo sie schmerzlich vermisst werden – und jetzt liegen sie da eingefroren.“ Doch das beklemmende Gefühl wich schnell „der Hoffnung, möglichst viele dieser Katzen zurück nach Hause bringen zu können“. Und genau das ist ihr in den letzten Jahren auch sehr oft gelungen.

 

Endlich wieder zu Hause

Es scheint zunächst befremdlich, in diesem Zusammenhang von „Erfolgsgeschichten“ zu sprechen, doch im Prinzip ist es jedes Mal ein Erfolg, wenn dank der Arbeit von Jasmin Becker und vielen anderen ehrenamtlichen Helfern deutschlandweit eine Katze nach Hause zurückkehren kann und nicht anonym entsorgt wird. Auch, wenn es nie eine schöne Aufgabe ist, die oft noch hoffnungsvollen Besitzer über den Tod ihres geliebten Tieres zu informieren. Sie berichtet: „Viele weinen am Telefon, manchmal spreche ich auch mit den Ehemännern oder Partnern, weil die Frauen es nicht können.“ Und dennoch sind alle Herrchen und Frauchen dankbar über die Gewissheit. So zum Beispiel im Fall von Katharina O. und ihrem Kater Lola, die nach einigen Tagen Abwesenheit ihres Katers und damit verbundener quälender Ungewissheit die Nachricht über dessen Tod erreichte. Oder bei einer Britisch-Kurzhaar-Katze, die nicht gekennzeichnet war und deren Besitzer Jasmin schließlich acht Wochen nach dem Eintreffen im Bauhof gefunden hat. Sie konnten ihr Familienmitglied schon einen Tag später abholen und zu Hause begraben. Deshalb ist es so wichtig, dass jemand diese Aufgabe übernimmt.

 

Tote Katze gefunden – was tun?

„Wenn man den Anblick ertragen kann, sollte man immer ein Foto des Tieres machen“, rät Jasmin Becker. „Toll ist auch, wenn man es sich zutraut, dass man mal ins Ohr reinschaut, ob da eine Tätowierung ist. Die ganz Mutigen können sich Einmalhandschuhe anziehen und mit Daumen und Zeigefinger auf der linken Halsseite fühlen, ob das Tier gechippt ist.“ Aber Achtung: nicht immer ist der Chip fühlbar. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie informieren die Polizei oder eine Tierarztpraxis im Umkreis über den Totfund und sie kümmern sich um das Tier und lesen den Chip aus. Alternativ können Sie es selbst in die nächstgelegene Tierarztpraxis, das Tierheim oder den Bauhof bringen. Bei Letzterem besteht jedoch oft die Gefahr, dass das Tier gar nicht ausgelesen wird – Tierarztpraxen und Tierheime hingegen haben immer ein Chiplesegerät vor Ort, mit dem das Auslesen schnell erledigt ist. Dann können sie über FINDEFIX versuchen, die Besitzer ausfindig zu machen.

Liegt ein Tier mitten auf der Fahrbahn und es handelt sich um eine wenig befahrene, übersichtliche Straße (z.B. eine Spielstraße oder eine Tempo-30-Zone), können Sie es vorsichtig an die Seite ziehen. Wenn Sie keine weitere  Möglichkeit haben, sich zu kümmern, so kann der nächste, der die Möglichkeit hat, es mitnehmen, dies zumindest im Ganzen und einem möglichst unversehrten Zustand tun. Sehen Sie allerdings ein Tier, das z.B. auf der linken Fahrspur der Autobahn liegt, sollten Sie auf keinen Fall versuchen, das Tier selbstständig zu bergen. Wenden Sie sich stattdessen lieber an die Autobahnpolizei – sie sperrt den Abschnitt kurzzeitig und sammelt das Tier ein. Das gilt übrigens nicht nur für Haustiere wie Katzen oder Hunde, sondern auch (vor allem für größere) Wildtiere, z.B. Rehe.

 

Kennzeichnen und Registrieren – auch Hauskatzen

Trotz der Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht, die seit einigen Jahren im Raum Bonn und vielen anderen Orten deutschlandweit für alle Besitzer von Katzen mit Freigang gilt, stellt Jasmin Becker fest: „Es gibt noch immer viele Menschen, die ihre Haustiere nicht kennzeichnen oder registrieren lassen – und das erst merken, wenn das Tier weg und es längst zu spät ist.“ Deshalb rät sie dringend dazu, Katzen chippen oder tätowieren zu lassen und anschließend direkt bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, anzumelden. Davor, einem Verkehrsunfall zum Opfer zu fallen, können Sie Ihre Freigänger-Samtpfote zwar leider nicht schützen – doch nur durch das Auslesen und den Zugriff auf die im Register hinterlegten Kontaktdaten können Sie im Ernstfall informiert und Ihr Tier Ihnen zugeordnet werden. Jasmin Becker betont außerdem: „Auch reine Hauskatzen brauchen eine Kennzeichnung und Registrierung. Da muss nur mal ein Besucher die Tür kurz offen stehen lassen, schon ist die Katze weg.“ Deshalb sollten Sie Ihr Tier dringend kennzeichnen und registrieren lassen – damit Ihnen die quälende Ungewissheit im Ernstfall erspart bleibt.

 

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Kontakt

FINDEFIX - Das Haustierregister
des Deutschen Tierschutzbundes

In der Raste 10
53129 Bonn

Tel:+49 (0) 228 6049635
Fax:+49 (0) 228 6049642
E-Mail:info@findefix.com

 

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. ist als gemeinnütziger Verein von der Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer freigestellt und beim Finanzamt unter der Steuernummer 205/5783/1179 registriert.

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